Menschen in Ebnet
(Bericht: Karin Lorenz – Abschiedsgemecker: Die Galgenberg-Ziegen)
„Danke für alles, mach(t)´s gut“, stand auf der Abschiedspostkarte von Axel Stiefvater-Höfflin, der nun in den Ruhestand wechselt. Fast 4 Jahrzehnte hat er den Zustellbezirk Ebnet betreut. Und wie! Ja, die Post war immer zuverlässig und korrekt verteilt. Aber da muss noch mehr gewesen sein, wodurch dieser Mann einen solchen Abschied beschert bekam.
Fast 4 Jahrzehnte hat er den Zustellbezirk Ebnet betreut. Und wie! Ja, die Post war immer zuverlässig und korrekt verteilt. Aber da muss noch mehr gewesen sein, wodurch dieser Mann einen solchen Abschied beschert bekam.

Die Menschen drängten sich am Abschiedsabend in den Mehrzweckraum der Dreisamhalle. Alles war wunderschön geschmückt, Verpflegung stand bereit, Ortsvorsteherin Gabi Hoferichter dankte im Namen Ebnets, der gemischte Chor Ebnet sang spontan ein Ständchen, die Kinder der Feyelschule haben individuelle Abschiedskarten kreiert und ich durfte ihm zwei Abschiedsbücher überreichen, voll wertschätzenden, berührenden und liebevollen Einträgen dankbarer Menschen.
Was hat ihn zu einer Institution werden lassen, die man ungern ziehen lässt? Und dass man ihn ungern ziehen lässt, hatte Ebnet in den Vorjahren bewiesen, denn ...
so eine lange Verweildauer in einem Bezirk sieht das Postkonzept nicht vor. Als er versetzt werden sollte, stand das Telefon des Vorgesetzten nicht mehr still, bis klar war, dass Axel bleiben kann
Dieser Mann ist absolut authentisch, voller Freundlichkeit, Zugewandtheit und mit großer Hilfsbereitschaft. Dazu gesellt sich sein Humor und durchaus auch Lebensweisheit.
Neu Zugezogenen stellte er sich vor, so kannte man sich wechselseitig mit Namen. Und Axel nennt die Menschen beim Namen! Er hört ihnen zu, nicht aus Neugierde, sondern aus ehrlichem Interesse. Diskretion – eine Selbstverständlichkeit. Ja, Axel hat seelsorgerische Qualitäten und sein immer freudestrahlender Blick öffnet die Herzen.
Er bewertet die Menschen nicht nach Zugehörigkeit oder Meinung, ist ein Naturtalent in Achtsamkeit und damit ein großes Vorbild. Jetzt können wir zeigen, was wir von ihm gelernt haben. Begegnen wir den Menschen auf der Straße von nun an genauso. Und seinem Nachfolger – der wird staunen!
Ebnet stiefvatert ab jetzt!
Danke, lieber Axel Stiefvater-Höfflin, mach´s gut!

Lieber Herr Stiefvater-Höfflin,
es ist wirklich ein Jammer – wir bekommen nie Post! Dabei würden wir Sie so gerne einmal persönlich kennenlernen und Ihnen die Frage stellen, die uns schon lange unter den Hufen brennt:
Von unserem Aussichtsplatz am Galgenberg schauen wir Ihnen schon seit vielen Jahren bei der Arbeit zu. Während wir gemütlich in der Sonne wiederkäuen, haben wir alle Zeit der Welt, Ihre täglichen Wege in Ebnet von oben zu verfolgen. So ist es uns gelungen, einen Irrglauben aufzuklären, der sich bei den meisten Ebneter*innen hartnäckig hält:
Nein, die Sonne geht nicht erst auf, wenn Axel Stiefvater-Höfflin seine Runde durch Ebnet beginnt! Vielmehr existiert hier das weltweit einzigartige Phänomen eines mehrfachen Sonnenaufgangs, dessen genaue Zahl exakt der Anzahl der täglichen Begegnungen mit Ihnen entspricht. In Fachkreisen spricht man mittlerweile vom "multiplen Stiefvater-Höfflin-Sunrise".
Und noch etwas Erstaunliches ist uns als Ziegen – und damit als absoluten Mecker-Experten – aufgefallen: Kein einziger Tag, an dem jemand etwas an Ihrer Arbeit auszusetzen hätte, geschweige denn zu meckern! Im Gegenteil: Am Ende Ihrer Tour liegt Ihnen regelmäßig ganz Ebnet zu Füßen. Sie bemerken das vielleicht gar nicht, da Sie sich in Ihrem Schwung und Elan nie umdrehen, aber von oben sehen wir das ganz genau!
Wie machen Sie das nur?
Selbst Briefe vom Finanzamt, Rechnungen, Mahnungen und sogar Erinnerungspostkarten für den nächsten Zahnarztbesuch werden aus Ihrer Hand so freudig entgegengenommen, als wären es Weihnachtsgeschenke. Ganz Ebnet scheint eine meckerfreie Zone zu sein!
Wirklich ganz Ebnet? Da sind wir uns nicht so sicher. Schließlich sind wir von Berufs wegen Meister im Meckern. Und deshalb würden wir gerne eine Wette mit Ihnen abschließen:
Wetten, dass wir es trotzdem schaffen, in Ihrer Gegenwart zu meckern?
(Unsere Menschen glauben ja fest, dass selbst wir da keine Chance haben, und dass schon Ihre bloße Anwesenheit den Willen zum Meckern in den unwiderstehlichen Wunsch umwandelt, etwas Freundliches über die Lippen zu bringen ...)
Also, wir hoffen, Sie nehmen die Herausforderung an und dass Sie uns bald auf dem Galgenberg besuchen, damit wir das Rätsel um Ihre magischen Good-Vibes-Fähigkeiten lösen können. Bis dahin meckern – äh – senden wir Ihnen und Ihrer Familie die besten Wünsche für Ihren neuen Lebensabschnitt und bedanken uns herzlich für Ihre legendäre und ansteckende Freundlichkeit, die Ebnet in einen ganz besonderen Ort verwandelt hat:
einen Ort, an dem Meckern eine echte Herausforderung ist

(Bericht: Karin Lorenz / Abschiedsgemecker: Die Galgenberg-Ziegen)